Eines meiner ersten Projekte als externer Systemadministrator begann mit einem Anruf: „Unser Fileserver ist verschlüsselt, alle Dateien haben komische Endungen, und das Backup-Programm sagt, die Sicherung ist auch betroffen." Das Unternehmen hatte zwar Backups – aber auf einem Laufwerk, das permanent im Netzwerk eingebunden war. Die Ransomware hatte es als ganz normale Freigabe mitverschlüsselt.
Seit damals folge ich einem einfachen Grundsatz: Ein Backup, das online erreichbar ist, ist kein Backup. Es ist eine Datei auf einem anderen Speicher.
Die 3-2-1-Regel
Die Grundlage jeder vernünftigen Backup-Strategie ist die 3-2-1-Regel:
- 3 Kopien der Daten (Produktivdatum + 2 Backups)
- Auf 2 verschiedenen Medientypen (z.B. Festplatte und Band, oder On-Premise-Disk und Cloud-Storage)
- Davon 1 Kopie an einem anderen Ort (Off-Site)
Eine moderne Erweiterung ist die 3-2-1-1-0-Regel:
- 3 Kopien, 2 Medientypen, 1 Off-Site, plus
- 1 Kopie, die immutable (unveränderlich) oder offline ist
- 0 Restore-Fehler bei regelmäßigen Tests
Besonders der Immutable-Aspekt ist in Zeiten von Ransomware entscheidend: Wenn Angreifer die Backup-Software kompromittieren und aktiv Backups löschen, muss mindestens eine Kopie technisch unveränderbar sein.
Eine typische Mittelstands-Lösung
Wie sieht eine funktionierende Umsetzung in der Praxis aus? Das Setup, das ich bei den meisten mittelständischen Kunden einsetze:
- Veeam Backup & Replication als zentrale Software
- Erstes Backup-Ziel: Schnelles NAS im Serverraum (Synology oder QNAP mit 40–80 TB), verbunden per 10 GBit
- Zweites Backup-Ziel: Cloud-Storage mit Object-Lock (Wasabi, Backblaze B2 oder Microsoft Azure mit Immutable Blob)
- Retention: 14 tägliche, 6 wöchentliche, 12 monatliche Kopien
- Zeitplan: Inkrementell nachts um 22 Uhr, Vollsicherung am Wochenende
- Monitoring: Veeam ONE oder eine einfache Mail-Benachrichtigung bei jedem fehlgeschlagenen Job
Diese Lösung kostet je nach Größe zwischen 4.000 € und 15.000 € pro Jahr – ein Bruchteil dessen, was ein erfolgreicher Ransomware-Angriff kosten würde.
Microsoft 365 braucht auch ein Backup
Ein Missverständnis, das weit verbreitet ist: „Meine Daten sind ja in Microsoft 365, die brauche ich nicht mehr backuppen." Das stimmt nicht. Microsoft garantiert die Verfügbarkeit der Infrastruktur, nicht aber den Inhaltsschutz gegen:
- Versehentliches Löschen von Dateien (Retention oft nur 30–93 Tage)
- Ransomware, die über einen infizierten Client OneDrive oder SharePoint verschlüsselt
- Böswilliges Löschen durch einen ausscheidenden Mitarbeiter
- Compliance-Anforderungen für längere Aufbewahrung
Veeam Backup for Microsoft 365, Afi.ai oder Druva sichern Exchange Online, SharePoint, OneDrive und Teams-Daten. Kostet pro Benutzer einige Euro im Monat – gut investiertes Geld.
Der Restore-Test: Der wichtigste Teil
Ein Backup, das nie getestet wurde, ist kein Backup. Das klingt banal, wird aber in 80 Prozent der Unternehmen, die ich übernehme, nicht gemacht. Der typische Dialog:
„Laufen Ihre Backups?" – „Ja, die sind grün." – „Wann haben Sie zuletzt einen Restore gemacht?" – „Keine Ahnung, noch nie einen gebraucht."
Das ist der Moment, in dem mir Angst wird. Ich setze deshalb bei jedem Kunden einen Restore-Rhythmus auf:
- Monatlich: Eine zufällige VM wird in eine Sandbox wiederhergestellt, geprüft, wieder gelöscht.
- Quartalsweise: Ein kompletter Datei-Restore auf einen Test-Server, inklusive Berechtigungen.
- Jährlich: Eine Disaster-Recovery-Übung, bei der simuliert wird, dass der Haupt-Serverraum komplett ausgefallen ist und die Umgebung aus dem Off-Site-Backup neu hochgezogen werden muss.
Die jährliche Übung ist unbequem. Aber sie ist der einzige Weg, wirklich sicher zu sein, dass im Ernstfall die Wiederherstellung funktioniert – und dass alle Beteiligten wissen, was zu tun ist.
Fazit
Eine gute Backup-Strategie ist nicht teuer. Sie ist nur etwas aufwendiger als das Minimum, das viele Unternehmen haben. Wer die 3-2-1-Regel mit Immutable-Storage und regelmäßigen Restore-Tests kombiniert, ist gegen 95 Prozent aller Ausfallszenarien gewappnet – von Ransomware bis Hardware-Defekt.
Wenn Sie nicht genau wissen, ob Ihr aktuelles Backup wirklich funktioniert: Lassen Sie uns einen Restore-Test machen. Das ist die ehrlichste Antwort auf die Frage, wie sicher Ihre Daten sind.